Gert Hauke
 Gert Haucke, bekannt als Buchautor, Schauspieler und Hundefreund, hat sich bereits vor Jahren in seinem Buch "Die Sache mit dem Hund" für eine Rückzüchtung des Mopses eingesetzt und hat erneut einen Kommentar verfasst. Dieser Artikel ist die Essenz dessen, was wir vermitteln möchten. Gert Haucke spricht uns aus der Seele. Wir bedanken uns herzlich für das Recht der Veröffentlichung.

NICHT DAS MONSTER IST DER VERBRECHER SONDERN FRANKENSTEIN

Wie fröhlich wäre wohl die fröhliche Frau Müller -Mopsbesitzerin- wenn sie rund um die Uhr Atemschwierigkeiten hätte: vor dem Fernseher hockend auch, bei jeder Anstrengung bis zu Erstickungsanfällen. Aus der fröhlichen Frau Müller würde ganz schnell eine grämliche Asthmatikerin.
Ihr Mops in der gleichen Situation behält seine gute Laune länger. Weil Hunde sich generell mit schweren Handikaps klaglos und stoisch abfinden. Irgendwann hat sich Möpschen dann doch zu Tode geschnurchelt. Frau Müller weint: "Wie ein Teetöpfchen hat der kleine Liebling immer leise gebrodelt".
Frau Müller ist töricht.

Die Züchter von Möpschen sind kriminell.
Oder wie? Einem Hund durch Selektion die Nase, ja den ganzen Fang, wegzuzüchten, mit "Nebenerscheinungen" wie Basedow, schwere Zahnschäden, Schwerstgeburten, Kollaps der Luftröhre, Hautentzündungen, etc. - wie soll man das nennen? 
(Dr. Frankenstein wollte wenigstens kein Monster, sondern den perfekten Übermenschen schaffen - es ist ihm nur nicht geglückt!)
Möpse aber sahen vor hundert Jahren aus wie verkleinerte Boxer. Der Vorderkopf nicht kürzer als beim heutigen Rottweiler.

Wer ist denn sonst noch schuld an der Monsterbäckchen Zucht?
Natürlich die Käufer. Es gibt reichlich Literatur über Hunde. Zugegeben: die meisten "Informationsbücher" sind das Papier nicht wert. Aber wenn man will, kann man sich informieren: Die Möpse in ihrer heutigen deformierten Erscheinungsform würden dann aussterben. Keine Nachfrage - kein Angebot.
Aber die Herren Hundevermehrer können es ja nicht ertragen, gesunde, problemlose Hunde anzubieten. (Ich nehme davon nur ganz wenige Züchter aus.)
Da ging es den Hunden früher, als sie größtenteils ihre Aufgabe als Helfer der Menschen hatten, besser. Nur ein gesunder Hund konnte lange leistungsfähig bleiben. Also war Gesundheit die Generalforderung der Hundehalter bis zum ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Wie musste ein Hund aussehen, der eine Rinderherde über viele Kilometer zum Verladen führte und nachts bewachte? Krüppel waren da nicht gefragt, weil unbrauchbar. Fellfarbe und Struktur unwichtig. Heute sind unsere Hunde arbeitslos. Und jetzt wird Schindluder mit ihnen getrieben. Und eine verantwortungslose, desinformierte Käuferschar kauft die armen Krüppel.

Basset: ein großer Hund fast ohne Beine. Ei vorprogrammierten Krankheiten, hier nicht aufzählbar. Nur soviel: Wie viel Bosheit gehört dazu, einem Hund so lange Ohren anzuzüchten, dass sie beim Normallauf mit der Nase unten, am Boden schleifen? Wer züchtet ihm eine so schwere Wamme an, dass die Unterlider, permanent nach unten gezogen, das Auge freigeben für schwere schmerzhafte Entzündungen? Und und und: ein Lazarus von einem Hund. Frankensteins Monster war funktionsfähiger.

Tatsache ist auch, dass man Hunde nicht beliebig vergrößern oder verkleinern kann, ohne schwere Deformationen als Beigabe für die elenden Zwerge und Riesen - nicht lebensfähig von Geburt an.

Barry, der berühmteste Bernhardiner aller Zeiten, wog 40 Kilo und arbeitete hart als Lebensretter aus Schneenot. Bernhardiner heute werden mit 110 Kilo einem staunenden erbarmungslosen Publikum vorgestellt, während die Hunde unter ihrer eigenen Körperlast stöhnend um jeden Atemzug ringen.

Zwerge, Nackte, Überfältige: es ist ein Trauerspiel, wozu menschliche Eitelkeit und Bosheit fähig sind.

Aber: Licht am Horizont für unsere so liebenswerten Möpse!

Einige Klardenker hatten die Faxen mit den unbelehrbaren Betonköpfen in den Züchterverbänden dicke und haben das Selektionsruder mutig herumgeworfen: ein bisschen längerer Nasenrücken mit gleichem verpaart das Ganze ein paar Mal wiederholt und schon gibt es wieder einen normalen Hundekopf mit etwas verkürztem Vorderkopf. Charme und Liebreiz voll erhalten!

Und bedenken Sie: der VDH und alle unterstellten Zuchtverbände haben keinerlei Befugnisse. Das ganze hochorganisierte Ausstellungswesen ist nichts weiter als Geldschneiderei der Veranstalter und der Futtermittelindustrie. Zehntausende von Ausstellern unterwerfen sich freiwillig dem Diktat von größtenteils inkompetenten so genannten Richtern. Die Zuchtverbände der VDH an erster Stelle haben bei der Entwicklung zum entarteten Hund nicht nur zugesehen, sondern Missgeburten im Standard sogar festgelegt, Verstümmelungen über Jahrzehnte als "rassetypisch" geduldet und hoch bewertet. Sie haben damit jeden Anspruch auf Autorität verloren, weil ihnen jede Qualzüchtung recht ist, solange man Anbieter und Käufer kräftig abzocken kann. Die Vereine und Zuchtverbände haben sich -größtenteils- von ethischen Gesichtspunkten getrennt und sind damit absolut unglaubwürdig geworden. Die grausamen Folgen sitzen in Asylen hinter Gitter: Eiskalte Geldgier und Verantwortungslosigkeit ergaben einen todtraurigen Rücklauf in die Tierheime.

Wenn Sie wirklich aus guten Gründen entschlossen sind, Ihr Leben mit einem Hund zu teilen, der zu Ihnen passt: Gehen Sie zu den Weggeworfenen, die verzweifelt auf ein neues Zuhause hoffen. Riesenauswahl! Und ein gutes Gewissen garantiert...

Gert Haucke
Februar 2003